Es war einmal....


Das Märchen von der Frau, die auszog, ihr Glück zu finden:


Es war einmal vor nicht allzu langer Zeit, da begab es sich, dass in Oberschwaben
eine Frau begann,über ihr weiteres Leben nachzudenken.
Ja, sie war in die Jahre gekommen. Medaillen waren nicht mehr zu gewinnen
und obwohl der Sport nicht ihr Leben war, überlegte sie,
was sie in diesem Bereich so tun könnte.
Lange dachte sie nach.
Man müsste etwas anderes tun, etwas Neues.

Und so hängte sie ihre Handtasche über die Schulter, steckte sich ein paar Geldscheine
in die Tasche und machte sich auf die Suche nach dem perfekten Sport.

Es war ein weiter Weg, bis sie endlich an einen Ort kam, den man "Virginia" nannte.
Es war Liebe auf den ersten Blick, obwohl sie sich am Anfang schon wunderte,
dass sich alle Einwohner ähnlich kleideten und große, breitkrempige Hüte trugen.

Sie ahnte auch zu diesem Zeitpunkt noch nicht,dass dieser Ort ihr Schicksal werden würde.
Sie dachte nur daran, diesen Ort und die Landschaft zu erforschen
und zu versuchen, Einwohner zu finden,
die ihr diese seltsamen Dinge erklären können.

Und bald begegnete sie einem weisen Mann mit besonders großem Hut und einem weißen Bart.
Der Mann konnte ihr viel über die Ureinwohner und die Besonderheiten
dieses Ortes erzählen. Und sie begann erstaunliche Dinge zu hören.

Sie erfuhr von Saloons, die ständig gefüllt waren, von Duellen, von Revolverhelden,
von wilden Mustangs, die zugeritten werden und was sie besonders begeisterte,
von den Tänzen der Ureinwohner.
Sie kam aus dem Staunen nicht heraus, denn sie hörte nun von Dingen,
von denen sie bisher nichts gewusst hatte.
Dass die Tänzer sich nach Linien bewegen, die aber nur in ihrem Kopf vorhanden sind
und die man nicht sehen konnte.
Dass sie auf den Boden stampfen, als wollten sie ständig Ungeziefer zerdrücken.

Sie hörte von Tänzen wie "Electric Slide", "Canadian Stomp", Walk on by",
"Country Walking". Sie wurde immer verwirrter und viele Gedanken
gingen ihr durch den Kopf.
Der weise Mann bemerkte dies und gab ihr den Rat, diese mysteriösen,
unbekannten Tänze auf eigene Faust zu erforschen und nach all den Dingen zu suchen,
von denen er ihr erzählt hatte.
Die Frau bedankte sich bei dem Mann mit dem großen Hut
und machte sich voller Begeisterung auf die Suche.
Doch so einfach, wie sie sich das vorgestellt hatte, war die ganze Sache nicht.
Sie fand zwar den Electric Slide, doch da gab es verschiedene Schrittkombinationen,
die ganz komische Namen hatten.
Grapevine, Shuffle, Rock-Step, Scuff, Coaster-Step waren Ausdrücke,
die die Ureinwohner sich ständig zuwarfen. Und sofort wussten alle, was damit gemeint war.
Auch das Stampfen war ihr beim ersten Hinsehen leichter vorgekommen.

Und natürlich fehlte ihr noch die traditionelle Kleidung der Tänzer.
Ohne sie war an eine Erforschung der Geheimnisse nicht zu denken.

Aber so leicht gab sie nicht auf. Das Fieber hatte sie erfasst.
Sie suchte also weiter nach dem verborgenen Glück, das im Inneren dieser Tänze liegen sollte.
Mit der Zeit nahm sie auch andere Menschen auf die Suche mit
und man sah sie immer häufiger mit verschiedenen Leuten
auf den imaginären Linien tanzen.

Sie scheute selbst nicht davor zurück,
an traditionelle Orte zu reisen und sich von den besten Tänzern der Ureinwohner
unterrichten zu lassen. Virginia und der Line-Dance waren ihre zweite Heimat geworden.
Die Jahre gingen ins Land.
Die Leute wechselten.
Die Frau blieb.
Wenn sie noch viele Jahre leben wird, was wir alle hoffen, so wird sie noch lange suchen
nach dem Geheimnis, das auf den Linien liegt.
Aber vielleicht wird sie es nie finden...... ..